Minnesang und Schwertkampf – Studierende gestalten Mittelalter-Unterricht für Schüler

Auf der Homepage der Universität Bamberg wird über die verschiedenen Projekte von MimaSch berichtet. Der originale Artikel ist hier nachzulesen: https://www.uni-bamberg.de/news/artikel/mimasch-2018/

Till Eulenspiegel ist der Protagonist in Daniel Kehlmanns aktuellem Roman Tyll, und Quentin Tarantino erzählt im Film Django Unchained eine Variante der Siegfried-Sage. Mit Beispielen wie diesen beweist Dr. Detlef Goller: „Das Mittelalter ist modern, nicht verstaubt.“ Der Akademische Oberrat am Lehrstuhl für Deutsche Philologie des Mittelalters leitet seit vielen Jahren ein Projekt, das Mittelalterforschung und Deutschunterricht verknüpft: Mittelalter macht Schule (MimaSch). Das Projekt beinhaltet Seminare für Lehramtsstudierende, Projektwochen an Grundschulen, das Literarische Mittelaltergespräch, Zulassungsarbeiten über Mittelalter-Unterrichtssequenzen sowie Lehrerfortbildungen.

„Schüler lieben das Mittelalter“, erklärt Detlef Goller das Ziel des Projektes. „Warum sollten Lehrkräfte also keine Mittelalterliteratur im Deutschunterricht behandeln? Sie können den Unterricht so gestalten, dass Schüler Spaß in der Schule haben und gleichzeitig die Kompetenzen erwerben, die im Lehrplan vorgeschrieben sind.“ Auf welche Weise Schülerinnen und Schüler Fähigkeiten wie Schreiben, Sprachanalyse und Mediennutzung erlangen, ist im Lehrplan nicht vorgeschrieben. Detlef Goller findet, dass Mittelalterliteratur hervorragend dafür geeignet ist.

Drachentöter Siegfried und die Tribute von Panem

Was bedeutet das in der Praxis? Letztes Jahr hielt Detlef Goller zusammen mit der stellvertretenden Projektleiterin Valentina Ringelmann ein W-Seminar am E.T.A.-Hoffmann Gymnasium Bamberg ab. Die Schüler der 12. Klasse beschäftigten sich mit dem Thema Geschichte der Helden – Geschichten von Helden und begaben sich mit den Dozenten auf Spurensuche nach Heldenvorstellungen in Literatur und Alltag. Sie sprachen über den nahezu unverwundbaren Drachentöter Siegfried aus dem Nibelungenlied. Und sie diskutierten die Gemeinsamkeiten von Siegfried und Helden des Alltags, Lebensrettern, die vom Bayerischen Ministerpräsidenten mit einer Medaille ausgezeichnet werden.

Ausgehend von dem Heldenverständnis des Mittelalters erwarben die Schülerinnen und Schüler Kernkompetenzen des Faches Deutsch, wie etwa die Berücksichtigung literaturtheoretischer Ansätze, Reflexion über Sprache und kritische Lektüre von Sekundärliteratur. Schließlich schrieb jeder Teilnehmer eine etwa zehnseitige Seminararbeit über einen selbstgewählten literarischen oder medialen Helden – über Emil und die Detektive oder auch den Computerspiel-Helden Ezio Auditore. Hier konnten die Schüler die erworbenen Kompetenzen einübend anwenden.

Till Eulenspiegel an Bamberger Grundschulen

Wie Lehramtsstudierende das Mittelalter im Unterricht integrieren können, lernen sie in Detlef Gollers Seminaren. Dort entwerfen sie eigenes Unterrichtsmaterial mit Mittelalter-Bezug. „Die Unterrichtsstunden, die sie im Seminar vorbereitet haben, halten viele Studierende, sobald sie ein Praktikum an einer Schule machen“, sagt Detlef Goller. Er erzählt auch, dass Studierende einmal im Jahr eine Projektwoche an einer Bamberger Grundschule durchführen. Zusammen mit Dritt- oder Viertklässlern tauchen sie ins Mittelalterleben ein und verbinden Spaß mit Lernen: Sie schöpfen Papier, basteln Narrenkappen und proben ein Theaterstück über Till Eulenspiegel ein. Ebenfalls jährlich bietet der Lehrstuhl für Deutsche Philologie des Mittelalters ein Literarisches Mittelaltergespräch an, zu dem eine Autorin oder ein Autor mittelalterlicher Kinder- und Jugendliteratur in Schulen und an die Universität eingeladen wird.

Lehrmaterial über Heldengeschichten

Außerdem betreut Detlef Goller jedes Semester etwa vier Zulassungsarbeiten zu diesem Thema. Das sind viele, wenn man bedenkt, wie viel Arbeit diese für die Studierenden bedeutet. Denn sie entwickeln eine ganze Mittelalter-Unterrichtssequenz, also zehn bis sechzehn Schulstunden, und schreiben dann eine wissenschaftliche Arbeit darüber. Bisher gab es etwa vierzig Studierende, die solche Sequenzen vorbereitet haben. Einige davon hat die University of Bamberg Press als Buchreihe veröffentlicht. Die Reihe bündelt Unterrichtsentwürfe für alle Schulformen und Altersstufen, die Lehrkräfte im Deutschunterricht einsetzen können. Ein Band beschäftigt sich beispielsweise mit den Liedern des mittelalterlichen Lieddichters Neidhart.

Um die Grundidee von MimaSch weiterzutragen, besuchen Detlef Goller und Valentina Ringelmann deutschland- und weltweit Tagungen, Schulen und Universitäten. Sie hielten schon eine Lehrerfortbildung in Bukarest ab oder erzählten in Unterrichtsstunden in Korea das Nibelungenlied nach. Auf diese Weise halten Minnesang und Schwertkampf Einzug in Schulen auf der ganzen Welt. Und Lehrer bilden die Daniel Kehlmanns und Quentin Tarantinos der Zukunft aus.

Verstaubtes Mittelalter? Von wegen! Mithilfe des Projekts “Mittelalter macht Schule” lernen Schüler mit den Geschichten um Tyll Eulenspiegel …

… oder dem Drachentöter Siegfried grundlegende Kompetenzen wie Schreiben, Sprachanalyse und Mediennutzung.

Projektleiter Detlef Goller und sein Team tragen die Grundidee von “MimaSch” weltweit bei Tagungen und Fortbildungen in Universitäten und Schulen weiter, wie beispielsweise hier bei einer Lehrerfortbildung in Bukarest.

Methodenpaket “welterbe.elementar” bringt das bayerische Welterbe an Schulen

Bamberg feiert 25 Jahre Welterbe! Zum Jubiläum hat das Zentrum Welterbe Bamberg in Kooperation mit der Bayerischen Landeszentrale für politische Bildung ein Methodenpaket für den Schulunterricht veröffentlicht. Das Methodenpaket welterbe.elementar enthält Unterrichtsmaterialien zur Vermittlung von Bayerns materiellem und immateriellem Kulturerbe. An den dreizehn individuell kombinierbaren Modulen hat auch MimaSch mitgewirkt.  Sie behandelnt Themen zu bayerischen Welterbestätten und Kulturgütern wie der Altstadt Bambergs, den Reichenauer Handschriften oder dem Nibelungenlied, die als Einheiten für den Schulunterricht aufbereitet werden. Zudem stellt das Methodenpaket ein umfangreiches Angebot an Arbeitsblättern, Beispieltexten und Internetlinks bereit. So werden vielfältige Impulse für die fächerübergreifende Unterrichtsgestaltung geboten, um das Welterbe an Schulen lebendig zu halten.

Die Veröffentlichung ist hier bestellbar: http://www.blz.bayern.de/meldung/welterbeelementar.html

 

Artikel über “Die gestohlene Lanze” im Hochschulmagazin uni.vers

In der letzten Ausgabe vom Mai 2018 berichtet das Hochschulmagazin uni.vers über den Bamberger Kinderstadtführer “Die gestohlene Lanze.” Thema der Ausgabe, in der der Artikel von Dr. Detlef Goller erschien, ist “Der universelle Wert – Neue Perspektiven auf das Welterbe in Bamberg und in aller Welt”.

Der Stadtführer wurde im Rahmen einer Masterarbeit im Studiengang Interdisziplinäre Mittelalterstudien von Linda Wolters entwickelt. Er führt Kinder auf einer Rallye zu verschiedenen historischen Schauplätzen der Stadt und bringt ihnen auf spannende Weise das Leben im Mittelalter nahe.   Zwei historische Bamberger Größen, Hugo von Trimberg und der Heilige Georg, leiten dabei durch den Stadtführer und die Bamberger Altstadt. Auf der Suche nach Georgs gestohlener Lanze müssen die Kinder Rätsel lösen und erfahren Wissenswertes über das mittelalterliche Bamberg.

Im Zuge von MimaSch wurde “Die gestohlene Lanze” als Unterrichtsmaterial aufbereitet. In Verbindung mit einer theoretischen Einheit über das Welterbe wurde die mittelalterliche Stadtführung bereits mit mehreren Schulklassen verschiedener Altersgruppen und Schulformen durchgeführt.

Ebenfalls im uni.vers erwähnt ist das Methodenpaket welterbe.elemanter der Zentrale Welterbe Bamberg, an dem auch MimaSch mitgewirkt hat. Hier geht es zu dem kompletten Artikel: http://mimasch.de/das-methodenpaket-welterbe-elementar-bringt-das-bayerische-welterbe-an-schulen/

Den Link zur kostenfreien uni.vers-Ausgabe gibt es hier: https://www.uni-bamberg.de/fileadmin/uni/verwaltung/presse/Publikationen/uni.vers/2018/180516univers.pdf.

 

Tagung “Mittelalterliche Lernpfade” an der Universität Kassel

Am 2. und 3. März fand die Tagung zu “Überlegungen zur Didaktik der älteren Sprache und Literatur für den Schulunterricht” an der Universität Kassel statt. Thema waren Lehrkonzepte an Schulen, mit denen Kindern das Thema Mittelalter kreativ und anschaulich vermittelt werden kann. Auch Dr. Detlef Goller und Valentina Ringelmann waren zu Gast in Kassel und referierten dort über die Kinderstadtführung “Die gestohlene Lanze”, die quer durch das mittelalterliche Bamberg führt. Der Stadtführer, der am “Zentrum für Mittelalterstudien” der Universität Bamberg entwickelt wurde, macht Kinder auf einer Rallye mit historischen Wahrzeichen Bambergs bekannt und bringt ihnen das mittelalterliche Leben in der Stadt nahe.

Lehrerfortbildung an der Uni Bamberg

Am Donnerstag, den 14. November 2017 findet im Kaiser-Heinrich-Gymnasium in Kooperation mit dem Lehrstuhl für Deutsche Philologie des Mittelalters der Uni Bamberg eine Lehrerfortbildung statt. Zu Gast sind Prof. Andrea Sieber aus Passau und Dr. Ines Heiser von der Universität in Marburg.

Es ergeht herzliche Einladung!

Plakat Lehrerfortbildung

MimaSch bei der Aventiure-Tagung an der Universität Passau

Von Donnerstag, den 28. September 2017, bis zum darauffolgenden Samstag fand an der Universität Passau eine Studientagung und Lehrerfortbildung statt, auf der auch Vertreterinnen und Vertreter von MimaSch zu Gast waren.

Detlef Goller Einführung
Dr. Detlef Goller gibt eine Einführung in die Thematik Bild: Ines Heiser

Die Tagung hatte zum Ziel, das sogenannte âventiure-Schema in verschiedenen Medien des Mittelalters und der Moderne zu untersuchen und zu fragen, inwiefern es für literarisches Lernen im (Deutsch-)Unterricht nutzbar gemacht werden kann. Zu diesem Zweck waren sowohl Vertreter der Älteren deutschen Literaturwissenschaft als auch der Deutsch-Didaktik und des schulischen Lehrpersonals anwesend, die jeweils aus ihrer Sicht demonstrierten, wie sich eine Verbindung zwischen fachwissenschaftlicher und schulischer Auseinandersetzung mit der Thematik schaffen lässt.

Valentina Ringelmann Posterpräsentation
Valentina Ringelmann präsentiert ein Poster zur Thematik Bild: Barbara Osdarty/Uni Passau

Auch die Passauer Neue Presse (PNP) berichtete über das Ereignis.
Den entsprechenden Artikel finden Sie hier.

Christa Horn und Studierende
Dr. Christa Horn setzt sich gemeinsam mit den Tagungsteilnehmern mit Unterrichtsmaterialen auseinander Bild: Ines Heiser

MimaSch unterwegs! Gastvortrag an der Universität in Marburg

Am 17. Juli 2017 fand ein Gastvortrag unserer stellvertretenden Projektleiterin Valentina Ringelmann an der Philipps-Universität in Marburg statt. Im Rahmen des  Seminars „Nibelungen in der Schule? Mittelalterliche Texte im Deutschunterricht“ unter der Leitung von Dr. Alissa Theiß hat Valentina Ringelmann vor ca. 20 Studierenden zum Thema „Die Reise des Helden. Ein möglicher Zugang zum Heldenbegriff im themenorientierten Deutschunterricht in der Oberstufe“ gesprochen.

Lesen Sie hier mehr über diesen Vortrag.

valentina ringelmann in marburg
Valentina Ringelmann referiert über die Verwendung des Heldenbegriffs im Deutschunterricht

 

Heldinnen und Helden mit MimaSch in Freiburg

Das von MimaSch betreute W-Seminar der Q11 des E.T.A. Hoffmann Gymnasiums Bamberg besuchte am 13. und 14. Juli 2017 den Sonderforschungsbereich 948 „Helden-Heroisierungen-Heroismen” in Freiburg. Ziel für die 15 Schüler/-innen war es u.a. im Gespräch und Austausch mit Experten des Sonderforschungsbereichs neue Einblicke und Erkenntnisse für ihre eigene Arbeit zu gewinnen.

Lesen Sie im Folgenden einen Erfahrungsbericht einer teilnehmenden Schülerin:

Unter Helden und Heldinnen
Exkursion des W-Seminars Deutsch an die Universität Freiburg (13./14. Juli 2017)

Während sich unsere Mitschüler auf den Weg zu Schule machten, versammelten sich die Teilnehmer des W-Seminars “Drachentöter, Rebellinnen und Lebensretter – Heldentum in der Literatur” mit ihren Kursleiterinnen Frau Grillmeier und Frau Ringelmann (wissenschaftliche Assistentin an der Otto-Friedrich-Universität Bamberg) schon am frühen Morgen am Bahnhof. Sechs Stunden später stiegen wir am Freiburger Bahnhof wieder aus und machten uns sofort auf den Weg in das Gebäude des Sonderforschungsbereiches 948 “Helden-Heroisierungen-Heroismen“ der Albert-Ludwig-Universität Freiburg, in welchem wir auch die meiste Zeit unseres Aufenthaltes verbrachten. Nach einer kleinen Stärkung lernten wir aber zunächst im “Uniseum“ einiges über die Entstehung, die Gründer und den Karker der Albert-Ludwig-Universität. Nach unserer Rückkehr zum SFB konnten wir mit Hilfe von Prof. Dr. Ralf von den Hoff in einer Plenumsrunde einige Fragen über Helden und auch über den Sonderforschungsbereich klären, nachdem wir mit frischen Brezeln und Kuchen empfangen wurden. Daraufhin ging es für uns zur Straßenbahn und zu unserer Jugendherberge. Direkt an der Dreisam gelegen und umgeben von den Sportplätzen der Universität, genossen wir kurz die Abendsonne und machten uns dann auch schon wieder auf den Weg in Richtung Stadt. Dort verschafften wir uns einen Eindruck von der Altstadt, besuchten das Münster und genossen die Abendstimmung in einer Pizzeria.

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Am nächsten Morgen ging unser Programm gleich weiter, denn an diesem Tag erwartete uns der eigentliche Höhepunkt unserer Freiburg-Exkursion: Wir hatten die Möglichkeit, weitere Forscher zu treffen, ihnen die Themen unserer Seminararbeiten vorzustellen und diese anschließend in kleinen Gruppen von drei Schülern und jeweils einem Experten zu besprechen, vorzustellen, Fragen zu stellen und dadurch ein Stück näher an das Ziel der Seminararbeit zu kommen. Nach dieser Runde hatten viele von uns wichtige Denkanstöße zu ihrer Seminararbeit bekommen oder konnten ihre Fragen klären. Unsere Ergebnisse und auch die Fragen, die noch entstanden waren, konnten wir in einer anschließenden Diskussion im Plenum vorstellen. Definitiv hat uns die Zusammenarbeit mit den Spezialisten sehr viel weitergeholfen und für viele war es auch sehr interessant zu sehen, wie die Arbeit unter Forschern abläuft und wie sie sich in einer Gruppe gegenseitig unterstützen, um gemeinsam an Forschungsergebnisse zu gelangen.

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Nach diesen anstrengenden zwei Tagen ging es nachmittags schon wieder zurück nach Bamberg. Mit einem größeren Wissen und einiger wissenschaftlicher Neugier zu Hause angelangt, haben wir wohl alle nach unserer Zeit in Freiburg neue Energie, uns an unsere Seminararbeiten zu setzen.

Bericht: Luise M. (Q11)
Zur Homepage des E.T.A Hoffmann Gymnasiums: www.eta-hoffmann-gymnasium.de

MimaSch auf dem International Medieval Congress 2017

Jedes Jahr findet im britischen Leeds der Internationale Mediävistencongress statt. Auch der Lehrstuhl für Deutsche Philologie des Mittelalters war hier in diesem Jahr vertreten – und zwar mit seinem Lieblingsthema MimaSch! Dr. Detlef Goller und Valentina Ringelmann präsentierten eine Sektion zum Thema “Teaching the Otherness: Medieval Literature in School”.

Bild Leeds
Detlef Goller und Valentina Ringelmann stellen “MimaSch” vor internationalen Kolleginnen und Kollegen vor