W-Seminar „Geschichte der Helden – Geschichten von Helden“ am E.T.A.-Hoffmann Gymnasium Bamberg (September 2016)

cartoon Viking super hero with sword „In der Behauptung einer großen Sache unter Widerwärtigkeiten und Gefahren bildet sich der Held“ – schrieb einst der Historiker Leopold von Ranke. Solche Gefahren und andere Widrigkeiten gibt es seit Anbeginn der Zeit. Dies ist wohl auch als Grund dafür zu sehen, dass die Konzeption der Heldenfigur bereits in den ältesten Formen von Überlieferungsträgern eine Rolle spielt. Das zeigt sich bereits etwa am Beispiel von Homers „Odyssee“, in der der tapfere Achilles und der listige Titelheld nach einer zehn Jahre währenden Belagerung die scheinbar nicht einzunehmende Stadt Troja erobern, um die schöne Helena nach Hause zurückzuholen.

Seither ziehen sich solche und ähnliche „Geschichten von Helden“ wie ein roter Faden durch das Mittelalter und die Frühe Neuzeit bis in die Gegenwart: Hildebrand und Hadubrand – Vater und Sohn – stehen sich im althochdeutschen „Hildebrandslied“  in einer Schlacht gegenüber, der nahezu unverwundbare Drachentöter Siegfried kämpft sich herorisch durch das Nibelungenlied, bis er schließlich von seinem Rivalen Hagen durch eine List getötet wird und Jeanne d’Arc wurde durch Friedrich Schiller in seinem Drama „Die Jungfrau von Orléans“ ein Denkmal gesetzt, nachdem sie im Hundertjährigen Krieg den Truppen des französischen Thronerbens zum Sieg gegen die verhassten Engländer verholfen hatte. Heute beschützt Batman Gotham City, James Bond nutzt seine „Lizenz zum Töten“ für die Rettung der zivilisierten Welt und Harry Potter tritt gegen „den, dessen Namen nicht genannt werden darf“ und die Dunklen Mächte magischer Welten an, um Hexen, Zauberer und Muggel vor dem Untergang zu bewahren. Diese Beispiele zeigen, dass sich Helden in ihren verschiedensten Ausprägungen sowohl in der erzählenden als auch der dramatischen Literatur finden, und darüber längst auch Einzug in Verfilmungen, Comicbücher oder  Computerspiele gehalten haben.
Dass man als „Held“ und dem entsprechenden Songtitel Heroes auch den Eurovision Song Contest gewinnen oder aber auch vom Bayerischen Ministerpräsidenten Seehofer als „Held des Alltags“ ausgezeichnet werden kann, offenbart, wie sehr sich der Gebrauch des Heldenbegriffs in unseren alltagsweltlichen Sprachgebrauch integriert hat. Mit dem Drachentöter Siegfried hat ein Alltagsheld aber nichts mehr gemeinsam – oder doch?

COLOURBOX7231914Mit dieser und ähnlichen Fragen beschäftigen sich in diesem Schuljahr die Schülerinnen und Schüler des W-Seminars „Geschichte der Helden – Geschichten von Helden“ des E.T.A.-Hoffmann-Gymnasiums Bamberg. Unterstützt werden sie dabei von unseren Mimasch-Projektleitern Dr. Detlef Goller und Valentina Ringelmann, die die Seminarteilnehmer auf der Spurensuche nach Heldenvorstellungen in Literatur und Alltag begleiten. Gemeinsam widmen sie sich der Frage nach der Konzeption des Heldenbegriffs in Geschichte und Gegenwart, der Analyse verschiedener „heldenhafter“ Texte, Comicbücher und Filme sowie dem Vergleich von Heldenfigur und Antiheld.

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